17. Februar 2020 13:21:57 panic

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Welche Hinweise sprachen dafür?

Glage: „Dafür sprach natürlich zum einen die Aufnahmen des KESY-Überwachungssystems, auf denen gesehen werden konnte, dass der vom Schwager genutzte Renault Twingo auf dieser Autobahn gefahren wurde. Zu der Zeit, in der er eigentlich, nach seinen Angaben, hätte schlafen sollen. Und das passte letztlich mit dem Bereich des Wohnortes der Verwandten zusammen, so dass sich die Ermittlungen da konzentrierten. Man kann natürlich in Brandenburg – ein großes Land, viel Wald, ein Seengebiet – nicht alles absuchen. Da muss man sich schon auf bestimmte Gebiete konzentrieren.“

Warum war das Waldstück bei Kummersdorf an der A12 für Sie so interessant?

Glage: „Das Waldstück war deswegen so interessant, weil eben die Verwandten des Beschuldigten in der Nähe wohnten und durch die KESY-Aufnahmen sicher war, dass er vor dieser Autobahnabfahrt dort noch durchgefahren ist. Bei einer weiteren KESY-Station in Richtung polnischer Grenze ist er dann dort nicht mehr aufgefallen, so dass wir davon ausgehen konnten, er könnte dazwischen möglicherweise abgefahren sein und die Leiche irgendwohin gebracht haben. Außerdem der Wohnort der Verwandten des Beschuldigten und Hunde, die eingesetzt wurden, sogenannte Mantrailer-Hunde, deuteten auch darauf hin, dass möglicherweise Spuren von Rebecca in diesem Bereich zu finden sein könnten.“

Wo will zu dieser Zeit der Schwager gewesen sein?

Glage: „Zunächst mal hatte er angegeben, zu dieser Zeit geschlafen zu haben. Später hatte er zugegeben, dass er auf einer Fahrt nach Polen gewesen sei, um dort Drogengeschäften nachzugehen, zu kaufen oder ähnliches.“

In welche Widersprüche hatte sich der Schwager noch verwickelt?

Glage: „Das ist der Punkt, der am wenigsten zu erklären war. Er hatte in seinen ersten Vernehmungen eben keine nachvollziehbare Erklärung gegeben, wo er zu dieser Zeit war. Die Geschichte mit Polen kam erst später. Das hat ihn natürlich ausgesprochen verdächtig gemacht. Außerdem war es einfach so, dass nach den Ermittlungen er der letzte war, der mit Rebecca im Haus war – und zwar allein mit ihr im Haus. Und das hat schon mal einen starken Tatverdacht begründet.“

Gab es Hinweise darauf, dass möglicherweise ein sexuelles Motiv dahinterstecken könnte?

Glage: „Das könnte so sein. Das wären aber reine Vermutungen. Das können wir nicht sagen. Wir wissen schlicht nicht genau, was da in diesem Haus passiert ist.“

Wie haben Sie die Entscheidung des Haftrichters aufgenommen, den Haftbefehl gegen den Schwager aufzuheben?

Glage: „Als die Beschwerde gegen den Haftbefehl erhoben worden war und der Haftrichter zu entscheiden hatte, hat es uns dann nicht mehr gewundert, dass der Haftbefehl aufgehoben wurde. Denn man kann zwar alles Mögliche glauben und auch kriminalistische Erfahrung ins Feld führen, aber letztendlich muss man einen dringenden Tatverdacht begründen. Und man konnte zu dem Zeitpunkt der Auffassung sein, dass dieser nicht mehr vorliegt.“

Kann man sich erklären, warum die Eltern bis heute so sicher sind, dass ihr Kind noch lebt?

Glage: „Auch das kann ich nur vermuten und natürlich ist nichts ausgeschlossen. Wir würden uns ja auch freuen, wenn sie noch lebt, halten es aber für weitgehend ausgeschlossen nach den bisherigen Ermittlungen. Wir denken uns möglicherweise, dass ein Grund zumindest sein könnte: Wenn die Familie den Schwager verdächtigen würde, dann müsste sie selbst einräumen, dass Rebecca tot ist. Und das will sie sich im Moment vielleicht nicht eingestehen. Das ist aber eine Vermutung.“

Glauben Sie, dass man Rebecca überhaupt noch finden wird?

Glage: „Auch das ist Spekulation. Ich hoffe das. Ich habe noch zehn Jahre Dienstzeit, wenn hier alles bei der Staatsanwaltschaft gutgeht, und ich habe mir eigentlich vorgenommen, den Fall in dieser Zeit, natürlich vor allem mit Hilfe der Mordkommission, noch zu lösen. Das wäre schön. Ob es klappt, werden wir sehen.“

Wie viele Hinweise gab es im Fall Rebecca?

Glage: „Das kann ich Ihnen nicht sagen. Das könnte Ihnen die Polizei sagen. Dort gehen die Hinweise ein. Es sind auf jeden Fall mehrere Hundert. Aus ganz Europa, sogar der ganzen Welt.“

Waren unter den Hinweisen auch ein paar skurrile?

Glage: „Ja. Wir haben sehr viele Hinweise von Sehern und Wahrsagern bekommen, die genau wussten anhand irgendwelcher Wildschweine, die sich so und so im Wald verhalten hatten, dass Rebecca da tot liegt. Oder dass sie lebend gesehen wurde in Bereichen der Welt, die aber noch nicht im Fokus unserer Ermittlungen standen. Das ist die Gefahr bei Öffentlichkeitsfahndungen oder die negative Seite, dass wir viele Hinweise bekommen, mit denen wir nun gar nichts anfangen können.“